„Der Schlüssel zur Traumabewältigung ist nicht, das Trauma wieder zu erleben, sondern neue Erfahrungen im Körper zu schaffen“
Dr. Peter A. Levine

Somatic Experiencing® in der Traumatherapie
Somatic Experiencing® ist ein körperorientierter Ansatz zur Lösung von traumatischem Stress. Wir lauschen auf das Erleben deines Körpers. Du lernst dein Nervensystem Schritt für Schritt zu regulieren. Stress und Traumaenergien werden behutsam entladen. Es entsteht Raum für Verbindung und Lebendigkeit.
Phasen der Traumatherapie – Eine Entdeckungsreise
Eine sichere Basis schaffen – das Basecamp
Wie kannst du dich sicherer fühlen und Vertrauen gewinnen in dich selbst und deine Körperempfindungen? Wie fühlen sich deine Grenzen an?
Gemeinsam erkunden wir deine Ressourcen, das was dich stärkt, nährt und auf deinem Weg unterstützt. Es geht darum eine sichere Basis aufzubauen, von der aus du Erkundungstouren in „unwegsameres Gelände“ machen-, aber auch immer wieder zurückkehren kannst.
Verarbeitung – die Reise
Wir begeben uns gemeinsam und mit guter Ausrüstung auf Erkundungstour in „unwegsameres Gelände“.
Du lernst dein Nervensystem zu regulieren und in deinem Körper gespeicherte Überlebensenergie schrittweise zu entladen und kannst so die traumatischen oder belastenden Erfahrungen in deinem Tempo verarbeiten.
Integration – ein neuer Ausblick
Damit die Veränderung wirklich in dir landen kann, nehmen wir uns Zeit um dem nachzuspüren, was sich in dir entwickeln möchte. Womit möchtest du den neu entstandenen Raum füllen? Was soll in deinem Leben wachsen? Welche neuen Perspektiven ergeben sich?
Diese Phasen sind kein strikter Ablauf und können sich im Laufe des Therapieprozesses abwechseln und wiederholen.
Was verstehen wir unter Trauma?
Trauma ist mehr als ein Erlebnis in der Vergangenheit. Es ist auch keine Störung oder Krankheit. Trauma ist vielmehr das, was in uns geschieht, wenn wir lebensbedrohliche oder überwältigende Erfahrungen machen. Es ist in unserem Nervensystem gebundene Überlebensenergie.
In bedrohlichen Situationen wird vom Körper eine enorme Menge an Energie für Kampf oder Flucht mobilisiert. Können wir erfolgreich fliehen oder uns verteidigen, stellt sich im Organismus meist das natürliche Gleichgewicht wieder ein.
Wenn aber weder Kampf noch Flucht möglich sind, rettet der Körper sich in die Erstarrung, um den Schmerz nicht zu spüren und den Schock überleben zu können. Die bereitgestellte Überlebensenergie kann also nicht entladen werden, sondern verbleibt wie eingefroren im Nervensystem. Der Körper bleibt im Notfallmodus stecken und verhält sich auch viele Jahre später noch so, als würde die Gefahr weiterhin bestehen.
Trauma kann entstehen, wenn wir einmalige, überwältigende Erfahrungen machen, die uns verzweifelt und verändert zurücklassen. Dies nennen wir Schocktrauma. „Alles was zu schnell, zu heftig, zu viel für den Organismus ist um es zu verarbeiten.“
Genauso kann Trauma entstehen, wenn wir im Laufe unserer Entwicklung (v.a. in der Kindheit oder Jugend) wiederkehrende Erfahrungen von Überforderung oder Überwältigung machen. Dies nennen wir Entwicklungstrauma. “Trauma ist das, was uns passiert, wenn ein mitfühlendes Gegenüber fehlt.“ – Dr. Peter A. Levine
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Welche Folgen hat Trauma auf unser Leben?
Traumatisierung kann sich in sehr verschiedenen, für die Betroffenen oft unverständlichen und belastenden körperlichen oder psychischen Symptomen zeigen. Dazu gehören z.B. ständige innere Anspannung, Ängste, Panikattacken, Dissoziation, Erschöpfungszustände, Bindungsprobleme, chronische Schmerzen, depressive Verstimmung, Schlafstörungen, Migräne, Burnout, u.v.m.
Oft ist der Zusammenhang zwischen Symptomen und auslösender Erfahrung nicht deutlich oder der Person nicht bewusst.
Im SE® verstehen wir posttraumatischen Symptome nicht als Krankheit sondern als Versuch des Nervensystems, irgendwie mit der im Nervensystem gebundenen Überlebensenergie umzugehen. Statt die Symptome nur „weg haben zu wollen“, nutzen wir die Kraft, die in ihnen gebunden ist zur Bewältigung des Traumas.
Wie arbeiten wir mit Somatic Experiencing? Vom „ich muss“ zum „ich kann“
Somatic Experiencing bedeutet sinngemäß „körperliches Erleben“. Wir lauschen also gemeinsam auf das, was du in deinem Körper erlebst; auf Körperempfindungen, Gefühle, Bewegungsimpulse und innere Bilder.
Neben dem achtsamen Spüren kommen sanfte Bewegungen und eventuell behutsame Berührung zum Einsatz sowie Gespräch und kreative Methoden.
Kern der gemeinsamen SE Arbeit ist die körperliche und geistige „Neuverhandlung“ des traumatischen Ereignisses.
Das Trauma muss dabei nicht erneut durchlebt werden. Es ist sogar möglich inhaltsfrei zu arbeiten, wenn z.B. ein Thema zu belastend erscheint oder nur Symptome da sind aber kein traumatisches Ereignis erinnert werden kann. Wir orientieren uns an den aktuellen Gefühlen und Antworten deines Körpers. Es genügt, dass dein Körper sich erinnert.
Du lernst Körperempfindungen und Körperimpulse, Emotionen, innere Bilder, Gedanken und Überzeugungen aufzuspüren und wohlwollend zu beobachten. Gemeinsam erforschen wir deine Ressourcen und spüren ihnen im Körper nach. Du übst dich zu erden und zu orientieren und so in der Gegenwart verankert zu bleiben.
Wenn du bereit bist, geben wir deinem Körper die Möglichkeit, die geplanten (nicht ausgeführten) Überlebensreaktionen zu vollenden. Dein System erhält dadurch das Signal, dass die überwältigende Situation nun vorbei ist. Außerdem aktivieren wir Ressourcen, die in der traumatisierenden Situation gefehlt haben. Dein Organismus macht also neue Erfahrungen.
So kann dein Nervensystem die eingefrorene Überlebensenergie schrittweise auftauen und entladen. Dies geschieht bewusst behutsam und in kleinen Portionen, damit dein System nicht erneut überwältigt wird und du die Veränderung auch integrieren kannst.
Die Nachwirkungen des Traumas können sich so schonend auflösen, das Gefühl von Erstarrung und Überwältigung kann sich zu einem Gefühl von Handlungsfähigkeit wandeln, vom „ich muss“ oder „ich kann nicht mehr“ zu einem „ich kann“.
Es entsteht Raum für Lebendigkeit und Kontakt, dein Nervensystem kann wieder in einem natürlichen Rhythmus schwingen.
